Direkt zum Hauptbereich

50 PLUS

Soderle (schwäbisch für: erlädigt): Gestern wurde ich fuffzig und heute bin ich 50+. Also plus einen Tag. Immerhin. Und diesen Tag habe ich auch wirklich gebraucht, um mich mit dieser neuen, unangenehmen Situation abzufinden. Ich wäre nicht DIE Bärbel Born, wenn ich aus diesem Desaster nicht irgendetwas Positives herausziehen würde.

Zum einen haben mir ganz liebe Menschen total liebe Worte der Tröstung geschickt. Das ist das erste Trostpflaster.

Das zweite Trostpflaster ist eher ein Trotz-Pflaster. *lol* Lasst es uns ab heute so nennen: Das Trotzpflaster. Ich bin happy, obwohl ich ne olle Schrulle bin.

An dieser Stelle muss ich euch ein Geheimnis verraten: Als ich 20 war, da war ich knackig, jung und wirklich recht ansehnlich. Und unglücklich. Unzufrieden. Unstet. Immer unterwegs, auf der Suche nach Aufmerksamtkeit und Freunden. Die jungen Leute heute würden es wohl depressiv nennen.

Ich habe entweder abends meine gefühlten 100 Kerzen angezündet und bin in Selbstmitleid versunken, oder ich hab mich in mein erstes Auto geschwungen und die nächste Kneipe aufgesucht, auf der Suche nach Menschen, Ablenkung, Kurzweil. Nichts konnte diese innere Leere füllen, die ich als junger Mensch empfunden habe. Wohin geht mein Weg und wie finde ich ihn?

Heute bin ich welk und schlabbrig, aber bei weitem nicht leer. Ich habe Liebe, Menschen, meine Kinder. Kinder erfüllen Dein Leben in einer Weise, die nur eine Mutter verstehen kann. Es tut mir leid für alle kinderlosen Menschen, aber es ist nun mal so.

Mein Verstand sagt mir, dass in mir dieses ur-ur-uralte Prinzip der Arterhaltung greift. Ich folge Instinkten, indem ich sage, dass Kinder meinem Leben einen Sinn geben. Na und? Ich schei** auf Instinkte! Meine Kinder HABEN meinem Leben einen Sinn gegeben.

Ich war keine Supermami. Als meine Älteste in die Grundschule ging war ich eine peinliche Mom. Immer ein bisschen neben der Spur. ABER als meine Tochter sich in der 3ten Klasse die Haare rot färben wollte, habe ich es erlaubt! Ich wette, Millionen von Grundschülerinnen haben davon geträumt (und ich wette auch dass die Moms das heutzutage alle erlauben)

Die meisten Kinder beurteilen ihre Eltern negativ. In der Rückschau ändert sich die Perspektive. Spätestens wenn sie selber Eltern werden. Dann werden all die Verbote und Gebote der Kindheit plötzlich nachvollziehbar. Und sie sprechen sie selber aus, ihren eigenen Blagen gegenüber. So geht das seit Generationen! (Fass das nicht an, das ist HEISS. Schau auf die Straße! Putz Dir die Zähne! etc etc)

Trotzdem vollzieht sich in jeder Generation ein Wandel. Machmal ein Großer, manchmal ein Kleiner. Aber hey- das hält die Welt in Bewegung! Nichts ist so beständig wie der Wandel. Wandel ist interessant und kreativ. Nicht immer effektiv, aber auch nie langweilig.

Und ich bin 50+. Ein Wandelröschen. Ein Kind meiner Zeit. Es gab keine bessere Zeit für Fünfzigjährige! Will sagen: Ich hatte Glück. Niemand wird es heutzutage wagen, ältere Menschen für ihr Alter zu verurteilen. Im 19ten Jahrhundert war das Alter überbewertet. Im 20ten Jahrhundert unterbewertet. Ich lebe im 21ten Jahrhundert, und da ist es weder cool noch uncool.

Älter zu werden hat seine Vorteile (Selbstbewusstsein, Selbsterkenntniss) und seine Nachteile (Hängetitten etc). Aber wenn man weiß wie, dann kann es Spaß machen. Hoffe ich!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Dänemark, bis bald

War das schon eine Woche? In sieben Tagen wurde die Erde erschaffen. Sagt man. Meine kleine Truppe hat ein sehr ähnliches Gefühl, und kehrt nicht so zurück, wie wir vor 7 Tagen zu Dir aufgebrochen sind. Wir haben unzählige Gespräche geführt, Menschen getroffen, Ratschläge bekommen, Fragen gestellt, Häuser angeschaut. Uns darin verliebt, darüber geschlafen und eine neue Liebe gefunden. Und noch eine, und noch eine.  Das Meer gesehen. Im Osten und im Westen, dennoch Nordsee genannt. Watt, Wellen, Wunder. Schlösser, Burgen, eine Villa, reetgedeckte Träume die zum Greifen nah geworden sind.  Ist das alles wirklich passiert? Oder habe ich Dich geträumt?  Nach diesem Traum, in dem wir die Welt neu erschaffen haben, müssen wir aufwachen. Nach Hause fahren. Doch wie es bei wunderschönen Träumen so ist, versuchen wir uns zu erinnern. Und, was bei nächtlichen Träumen unmöglich ist, wieder darin einzutauchen. Wie? Die Brücken in der alten Heimat abbauen. Stein für Stein. Es mag lang...

Heimat ist auch schön, aber.....

Eigentlich habe ich ja Glück: Ich wurde in eine "Wohn- und Schlafstadt" geboren. Und es hat hier viele Millionäre. Leider kenne ich keinen davon, und falls doch, hat er oder sie mir noch nichts von den Millionen erzählt. Die Gegend ist hübsch, ländlich und doch ist man in 20 Minuten sowohl in Köln als auch in Düsseldorf (rein rechnerisch, bis zur Stadtgrenze und ohne Stau!). Trotzdem... Wir kratzen an den Ballungsgebieten und was Ruhe und Landleben wirklich bedeuten habe ich erst spät im Leben durch Urlaube kennengelernt.  Hier ist es voll. Je mehr Menschen sich auf einer Stelle knubbeln, um so unleidlicher können sie werden.  Konzepte, in denen sich Firmen in ländlichen Gegenden ansiedeln, gibt es zwar aber ich kenne kein einziges Beispiel. Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch die günstigeren Immobilienpreise können Mitarbeiter sich ein Heim leisten und Familien gründen, was sie wiederum an Ort und Firma binden kann. Win win.  So macht das hier niemand. Wie auch, wenn...

Tomatenhaus von Ikea

Seit Jahren wünsche ich mir ein Dach für meine Tomaten. Vor allem an dem Top Plätzchen für meine Lieblingspflanzen, der Süd-Ost-Ecke des Hauses. Mein Mann wollte Bilder haben, wie ich es mir vorstelle. Hab ich geliefert. Nix passiert. Ich sollte eine Bauanleitung finden. Die hab ich nicht gefunden, jedenfalls keine die mir gefiel. Dann wollte ich ein paar alte Ikea Ivar Regale entsorgen. Eigentlich viel zu schade, aber so lange im Keller gelagert, dass ich sie auch an niemanden mehr verschenken wollte, da ganz leicht angegammelt. Dann hatte ich eine Vision: Die Regale sehen doch irgendwie aus...wie ein Tomatendach! Das fehlende Teil war die Verbindung zum Boden. Ich hatte vor Jahren mal ein altes Regal einfach ins Beet gestellt, ohne Füsse oder Schutz gegen Feuchtigkeit. Das ging nicht gut aus. Doch ich habe mich gefragt, ob es auch Einschlaghülsen, wie man sie für "richtige" Zäune benutzt, auch für die dünnen Ivar Füßchen gibt? Gibt es! Das war es! Der Missing Link, der heil...