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Projekt Avalon- der Stoff, der Schnitt

Gestern habe ich meinen liebsten Stoffladen aufgesucht, wie immer eine Mischung aus Frust und Freude. Vor vielen Jahren war der Betrieb eine Konfektionsschneiderei, die Reste aus Produktionen verkaufte. Aus den bekannten Gründen lohnte sich die Schneiderei nicht mehr, geblieben sind die Reste.

Inhaber Jens Bederke scheut keine Mühen, die Material-Überproduktion namhafter deutscher Markenfirmen aufzukaufen, sowie preiswerte Posten an ausgefallenen Stoffen in aller Herren Bundesländer zu sammeln.


Ein Manko hat die Sache: An den Öffnungstagen ist es proppenvoll. Schafft man es den Chef oder eine der Mitarbeiterinnen beiseite zu winken, dann suchen und beraten alle was das Zeug hält. Manchmal muss man viel Geduld mitbringen, aber für mich hat es sich bisher immer gelohnt. Ich habe in dem relativ kleinen Laden bisher immer den passenden Stoff gefunden.

Ich möchte fast sagen bis gestern, denn ich habe zwar die perfekte Stoffqualität gefunden, aber leider nicht in ausreichender Menge. Man bedenke, es ist und bleibt ein Verkauf von Restposten. Und wenn Leute wie ich auf der Suche nach 8-10 Meter Stoff sind, dann ist das in einem Sammelsurium der schönsten Reststücke nicht einfach.

Außerdem hatte der Stoffdschungel zwar das Grün nach dem ich suche, aber nicht aus den Stoff den ich brauche. Der gesuchte Stoff hatte nicht die gewünschte Farbe. Darum wundert euch jetzt bitte nicht, wenn ich euch meine Stoffauswahl zeige.

Wenn man den Stoffdschungel verlässt, dann bekommt man so ein Päckchen:


Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich hatte schon Stoffe in meinem Fundus, die nach 10 Jahren in einer Kiste immer noch so eingepackt waren. Suchti halt.

Den Schnitt, den ich noch auf Lager hatte, soll dieser hier sein:


Der Butterick 3552 wartet nun schon seit Jahren darauf, von mir genäht zu werden. Bisher gefiel mir an dem Foto auf dem Umschlag nie, dass das Kleid so schlabbrig sitzt. Nun brauche ich genau das. Allerdings hatte ich gestern ausführlich online nach Bildern gesucht, wo jemand diesen Schnitt verwendet hat. In allen Kostümen saß das Kleid hauteng!

In diesem Bild sieht man sehr gut, dass die Passform des Filmkleides aber eher salopp ist und der Stoff ab dem Busen kaum tailliert nach unten fällt und ab der Hüfte Weite bekommt:



Der Fall des Kleides entspricht ziemlich genau dem abgebildeten auf dem Schnittumschlag. Nicht aber den Ergebnissen der Näherinnen, die den Schnitt benutzt haben. Ich kann also nur vermuten, wie eng das Kleid anliegen wird, aber ich werde schon beim Zuschnitt einen Spielraum einbauen.

Im Schnitt werden auch zwei Varianten angeboten, mit und ohne Gehren (dreieckige Stoffeinsätze), die mehr Weite bringen. Für sowas bin ich erstens zu faul und zweitens sieht man im Avalonkleid auch nichts von Gehren.

Die Ärmel von Buttericks Version B (rechts auf dem Umschlagbild) hingegen scheinen fast perfekt zu stimmen, eventuell muss ich den Arm etwas verlängern, aber nur minimal.

Beim Stichwort verlängern fällt mir wieder ein, mit welchem Problem ich zu kämpfen habe: Stoffknappheit. Von meinem Traumstoff gab es nur noch drei Meter. Ein alternativer Stoff hatte noch rund fünf Meter auf der Rolle. Man ahnt, worauf das hinausläuft: Ärmel und Kleid werden bei mir aus unterschiedlichen Stoffen genäht. Nicht schön, aber es geht nicht anders.

Die Stoffe, die ich finden konnte, sehen so aus:


Beides Mischgewebe, aber mit einem sehr natürlich Griff, mit etwas Phantasie würden sie als Naturstoffe durchgehen. Beide haben eine abartige Farbe, aber die bleibt nicht so, ich werde zu Waschmaschinenfärbung greifen!

Der untere Stoff hat eine Optik, die den erhältlichen Bildern des Originalstoffes sehr nahe kommt. Er ist in der Tat durch die lockere Webung etwas durchsichtig, und wird der Ärmelstoff. Der obere Stoff- ebenfalls eklig in der Farbe- hat eine tolle Bouclé-Optik, und schaut so richtig urtümlich aus. Die Frage, ob die Stoffe authentisch sind, stellt sich hier nicht, da die TV Serie im Fantasy-Bereich angesiedelt ist, Basta.

Da beide Stoffe einen hohen Anteil Kunstfaser aufweisen, wird das Färben schwierig. Ich werde vorher mit Stoffresten Tests durchführen. Ein Pluspunkt des oberen Stoffes ist seine Dehnbarkeit, er enthält elastische Anteile, was mir die Sorge um die Passform etwas leichter macht.

Da ich nicht weiß, ob ich mit 5 Metern für das Kleid exclusive Ärmel hinkomme (Schleppe!) muss ich eventuell bei der Kleiderlänge Abstriche machen. Mein Notfallplan sieht so aus, dass ich bei Stoffknappheit den Saum deutlich kürzer arbeite und /oder auf die Schleppe verzichte, und später ein Unterkleid mit der gewünschten Länge nebst Schleppe nähe, so etwas hatte ich schon ewig vor. Dann kann man die Schleppe separat waschen, und muss nicht jedes Mal das ganze Kleid reinigen, wenn man mal eben mit Schleppe durch den Matsch gelatscht ist.

Den Schnitt werde ich auf jeden Fall abändern, denn eng soll es ja nicht werden, und die Einzelteile des Schnittes scheinen zu bestätigen, was ich online sah: dass es eng wird. Warum dann die beiden Models auf dem Umschlag solche Schlabberkleider mit vielen Falten in der Taille tragen ist mir schleierhaft. Waren die Mädels zu dünn für die Roben? Das wäre von Seiten Buttericks sehr unprofessionell gewesen. Hinterher werde ich schlauer sein.

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